So funktioniert es mit der Motivation zum Lernen
Der Schulstart ist aufregend und da ist auch noch viel Energie da.

Wie aber kannst du die Freude am Lernen aufrecht erhalten und dein Kind auch zum Durchhalten in schwierigeren Phasen motivieren. Das erklärt hier heute Gastexpertin Petra Trautwein.

Petra Trautwein 1
Petra Trautwein M.A
. ist Lerncoach und wingwave-Coach und hilft Kindern, die unter Schulstress leiden. Mit den Kindern entwickelt sie persönliche Lernstrategien, steigert Motivation und organisiert das Lernen so, dass die Kinder den Spaß wiederentdecken und Eigenverantwortung übernehmen.
Mehr über Petra und viele Tipps rund ums Lernen und die Schule findest du unter www.petratrautwein.com oder folge ihr auf Facebook


Wer Kinder fragt, was sie sich von der Schule wünschen, bekommt tolle Antworten:

  • Theresa findet, Schule brauche viel mehr Bodenturnen, damit man nicht so viel sitzt.
  • Klara will sich öfter mal ein Thema selbst aussuchen, was sie gerade interessiert und drei Extrastunden für Lieblingsfächer.
  • Mio will Fremdsprachen eher so lernen, dass es sich mehr nach Englisch oder mehr nach Französisch anhört und die Vokabeln nicht immer so schnell vergessen. Und mehr Theater spielen.

Alle drei freuen sich nach den Ferien wieder auf die Schule, und diese Motivation gilt es so lange wie möglich aufrecht zu erhalten und den Schwung mitzunehmen, auch wenn es wieder anstrengend wird. Dabei können Eltern ihre Kinder wunderbar unterstützen.

Sind die Kinder noch klein, also etwa die ersten beiden Grundschuljahre, lernen sie viel durch Nachahmung aber auch später spielen Vorbilder beim Lernen eine große Rolle. Sogar Gefühle geben Eltern häufig weiter, wie beispielsweise die Vorliebe für Geschichte und die Ablehnung für Chemie.

Wie gehen wir selbst also mit dem Schulthema um, sind wir positiv und sprechen nicht schlecht über Lehrer oder diskutieren wir am Esstisch über zu viele Hausaufgaben und nervige Stundenausfälle?  Gehen wir wertschätzend und respektvoll mit anderen um, behandeln wir sie höflich und regen uns nicht über jede Kleinigkeit auf, haben wir gute Chancen, dass unsere Kinder dies ebenso machen und nicht so schnell ins Lamentieren über die Schule mit einstimmen.

Eltern sollten sich klar sein, welches die wichtigsten Werte sind, die sie weitergeben wollen.
Liebe, Erfolg, Ehrlichkeit, Vertrauen, Pünktlichkeit. Was ist uns wirklich wichtig?

Beide Partner sollten sich hier einig sein und diese Werte immer wieder betonen und vorleben. Sind wir lässig im Umgang mit der Uhr und kommen gerne mal zu spät, signalisiert dies unseren Kindern, dass Pünktlichkeit nicht unbedingt erforderlich ist. Nehmen wir es mit der Wahrheit nicht so genau, können wir das auch von unseren Sprösslingen nicht einfordern.

Überlegt doch  selbst: Wie sind Eure Eltern miteinander umgegangen? Wie wurden Konflikte gelöst? Und wie macht Ihr es heute? Dabei sollten wir aber auf alle Fälle authentisch bleiben, sonst merken dies die Kinder sofort. Machen wir etwas anders, als wir es normalerweise predigen, sollten wir erklären, warum es in dieser Situation notwendig war oder nicht anders ging. Nobody is perfect, auch das sollten sie lernen.

Den Druck raus nehmen

Äußerungen wie „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens, passt auf, sonst habt Ihr ein Problem“ bauen einen enormen Druck auf Kinder auf. Sie reagieren mit Stress und im schlimmsten Falle sogar Panik und das Gehirn schaltet sofort auf Fluchtreflex. So ist das sogenannte limbische System im Gehirn nämlich programmiert. Vernünftiges Denken ist dann nicht mehr möglich.  

Stattdessen Freude auf das neue Schuljahr vermitteln, Höhepunkte in Aussicht stellen, Neugierde wecken.
Wer Leidenschaften weckt, wird Begeisterung ernten. Wenn das Gehirn entschieden hat: „Da bin ich dabei!“ läuft es zu Hochform auf. Wir sehen es daran, wie sich Kinder Dinosaurier-Namen und Fußballer aus aller Herren Länder merken können. Und wie schnell sie englische Liedtexte auswendig können, obwohl Englisch gar nicht ihr Ding ist.

Denn eines ist klar:

Jedes Fach kann spannend sein

Und wir Eltern können die Neugierde wecken. In Englisch beispielsweise, indem wir mit ihnen englische Filme schauen oder Spiele auf Englisch spielen.

„Ich beweise Euch, dass Physik Spaß macht“ ist eine Äußerung, die das Gefühlshirn direkt anspricht. Und wenn die Kinder dann selbst aktiv werden und noch an vorhandenes Wissen andocken können, läuft es (fast) von alleine. Was weißt du schon? Wo fühlst du dich sicher? Was können wir bei diesem Thema noch machen? Mit diesen Fragestellungen wird Lernmotivation gefördert.

Wo willst du hin? Ermuntere Dein Kind, sich zu Beginn des Schuljahres ein Jahreszeugnis zu schreiben. Was will es in jedem Fach erreichen? Ganz alleine, sollte es dies tun. Und vertraue ihm oder ihr. Ob und wann die Schüler lernen, ist ihre Entscheidung. „Ich helfe Dir, sag mir Bescheid, wenn du mich brauchst.“, ist die Hilfestellung, die sie brauchen, um sicher zu sein. Gemeinsam schauen Sie dieses Zeugnis immer mal wieder an und überprüfen die notwendigen Schritte.

Funktionieren Sohn oder Tochter Eurer Meinung nach nur mit Druck?

Sorgt dafür, dass sie ein Ziel haben. Belohnt sie für Erfolge angemessen. Also kein neues  I-Phone, aber für gute Noten kann es schon mal einen Kinobesuch geben. Wir funktionieren auch besser, wenn wir eine Belohnung bekommen. Und denken an manchen Tagen, wir würden lieber im Schwimmbad liegen als im Büro sitzen.

Die Motivation von innen ist zwar die wertvollste, aber es ist bei manchen Kindern und in manchen Altersstufen fast unmöglich, diese zu wecken. Denn Lernen ist nun mal anstrengend. Dann dürfen Belohnungen ruhig auch mal sein.

Kinder, die sich mit dem kontinuierlichen Lernen besonders schwertun, können sich einen Wecker auf 25 Minuten stellen. Diese Zeit arbeiten sie ohne jede Ablenkung durch. Das hält auch der größte Lernmuffel durch. Danach gibt es fünf Minuten Pause, am besten kurz bewegen und etwas trinken. Oder Musik hören.

Nach vier Durchläufen dann eine längere Pause. Auf diese Weise haben die Kinder das Erfolgserlebnis, durchgehalten zu haben. Diese positiven Gefühle verknüpft das Gehirn sofort mit dem Lernen – und findet es beim nächsten Mal schon nicht mehr so schlimm. Und wechselt dabei vom fokussierten zum diffusen Lernen, was ebenfalls immens wichtig ist, vor allem wenn man neue Dinge lernt.

Unterstützt Eure Kinder, gebt ihnen Schwung und Freude mit ins neue Schuljahr. Dann brauchen wir vielleicht auch nicht mehr Bodenturnen in der Schule und vergessen die Vokabeln nicht wieder so schnell.

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Porträt Vera Rosenauer
Vera Rosenauer

Mama-Coach mit Herz, Hirn, Humor und langjähriger Erfahrung, Mama von zwei großartigen Töchtern, passionierte Langschläferin, Besitzerin (und Leserin!) mehrerer Kubikmeter Fachliteratur

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