Der informative Experten-Blog für Eltern

Welche Entwicklungsphasen Kinder durchlaufen

Welche Entwicklungsphasen durchlaufen Kinder

Sehr gerne greife ich hier eine Frage aus der Facebookgruppe Abenteuer Erziehung – das Dorf für den Mama-Austausch auf.

"Mich würde interessieren, welche verschiedenen Entwicklungsphasen es so gibt, oder ob das ein Mythos ist. Meine sind jetzt 5 und 8 und ich habe bei beiden das Gefühl, dass da gerade mächtig was weitergeht.  :)““

Tja, das mit den Entwicklungsphasen ist so eine Sache, da gibt es unterschiedlichste Definitionen und Modelle. Um Freud (Phasen der psychosexuellen Entwicklung) und Erikson (Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung) kommen wir bei dem Thema nicht ganz herum.

Ich möchte hier aber weniger über orale Phase, anale Phase oder Initiative versus Schuldgefühl sprechen, sondern eher auf die Bezeichnungen eingehen, denen du beim Lesen in Ratgebern und Internetforen immer wieder begegnest.

Die erste Variante orientiert sich offenbar an Alter und Aufenthaltsorten der Kinder, hier ist die Einteilung wie folgt
(bitte betrachte die Altersangaben als Circa-Angaben!):

Baby (1. Lebensjahr)

In diese Phase fällt eine unglaubliche körperliche Entwicklung – vom hilflosen Baby bis hin zum selbstständigen Gehen. Dazu kommen wesentliche Basislernerfahrungen wie:
  • Ich kann mich auf meine Betreuungsperson verlassen
  • Ich kann etwas bewirken
  • Aha, das ist die Welt um mich herum und ich kann ihr vertrauen.
Viele Mamas in meinen Gruppen lieben das Buch Oje, ich wachse* (gibt es auch als App), in dem die Entwicklungssprünge in den ersten 14 Lebensmonaten beschrieben sind.

Kleinkind (2.-3. Lebensjahr)

Das ist die Phase der unendlichen Energie. Das Kind läuft voraus wie der unermüdliche Forscher und du hinterher als erschöpfter Sherpa …

Vieles machen sie zum ersten Mal und damit sind sie unbelastet von Ängsten und schlechten Erfahrungen, das macht fast unentwegten elterlichen Kontrolleinsatz notwendig, vor allem in nicht kindgerechter Umgebung.

Wichtige Lernerfahrungen in diesem Alter sind:
  • Meins und deins – Besitzverhältnisse
  • Die Bedeutung von Ängsten und Sicherheit – „ich fürchte mich vor der Dunkelheit, aber bei Mama bin ich sicher!“
  • Ich bin ich! – nicht umsonst wird dieser Altersabschnitt auch Autonomiephase genannt


Kindergartenkind (4.-5. Lebensjahr)

Spätestens jetzt sind Kinder bereit auch Zeit außerhalb der Familie zu verbringen und in eine größere Welt mit Spielen und ersten Freunden einzutauchen.

Sie sind jetzt herrlich kreativ und können sich beim Spielen in Fantasiewelten versetzen. Aus einer Schachtel wird eine Burg, ein Schiff oder was auch immer man im Rollenspiel gerade braucht.

Im gemeinsamen Spiel lernen sie Ideen entwickeln, Entscheidungen finden und auch mal Streiten.

Vorschulkind (6.-7. Lebensjahr)

In diese Phase fällt der Beginn des Zahnwechsels und wesentlicher körperlicher Veränderungen. Das „Kindchenschema“ wächst sich aus, der Körper streckt sich, Arme und Beine verändern die Proportion.

Ein ganz neues Körpergefühl muss aufgebaut werden – vergleichbar vielleicht damit, wenn man hochschwanger ist. Der Schwerpunkt ist nun woanders als gewohnt, dauernd stößt man wo an oder stolpert über die eigenen Füße.

Mit der Schule lernt das Kind das offizielle „Beurteilt-Werden“ und Leistungsgedanken kennen.

Schulkind (7.-12. Lebenjahr)

In diesem Alter sind gewisse Grundversorgungsdinge selbstverständlich geworden – sich selber anziehen, Körperpflege und Kinder können stabilere Freundschaften schließen.

Für Kinder und Eltern ist das meist eine recht entspannte Zeit – das Kind ist reif genug für viele Unternehmungen, die mit Kleinkind nicht möglich sind und trotzdem sind sie noch stark an die Eltern gebunden.

Das große Thema in diesem Alter ist die Verselbstständigung innerhalb der eigenen Familie.

Teenager (ab 12. Lebensjahr)

Ab jetzt geht es mehr darum auch außerhalb der Familie sich als selbstständig zu erleben, Freunde und Peergroup werden wichtiger – meist sogar wichtiger als die Eltern.

Viele Eltern fürchten sich geradezu vor der Pubertät, gilt sie gemeinhin als eine Zeit der Probleme und Konflikte mit dem Kind. Zerreißprobe für die Beziehung zwischen Eltern und Kind.

Nichtsdestotrotz ist die Pubertät auch eine sehr kreative Phase, in der sich so mancher neue Wege gehen traut, die sich noch vorher keiner getraut hat. Bestimmt war es ein Teenager-Affe, der als erster probiert hat, vom Baum herab zu klettern. Auch Einstein hatte seine bahnbrechendsten Erkenntnisse in sehr jungem Alter und vermutlich waren auch die Eltern von Bill Gates zuerst nicht so richtig stark begeistert, als er eine Firma in der Garage gründen wollte.

Entwicklungsphasen: Die Krisen-Variante


In der zweiten Variante werden die krisenhaften Zeiten hervorgehoben.
  • Trotzphase (2.-3. Lebensjahr)
  • 6-Jahres-Krise (5.-6. Lebensjahr)
  • Vorpubertät (8.-10. Lebensjahr)
  • Pubertät (ab 12. Lebensjahr)
Wenn man sich das jetzt so ansieht, bekommt man den Eindruck, das ganze Leben wäre eine Krise …

Für mich stellt sich das Ganze eher so dar, dass es von Geburt an immer wieder um ein neues Einpendeln von Loslassen und Halten geht. Des Kind lernt neue Fähigkeiten dazu, als Mama kann ich mehr loslassen und meine und seine Grenzen weiter stecken – und da gehört auch ein wenig Try-and-Error dazu, man betritt ja gemeinsam Neuland, muss Dinge erst ausprobieren.

Insofern ist es ganz normal, dass dann auch das Konfliktpotential erhöht ist. Manchmal aber kann ein einfaches "NEIN" von dir auch einen veritablen Wutanfall auslösen. Wenn du ein paar Nein's in deinem Alltag einsparen möchtest, hol dir doch hier erprobte Tipps, unter anderem mit einem Mini-Poster für deinen Kühlschrank



Liegt mein Kind „richtig“ in seiner Entwicklung?

Was ich jetzt übrigens nicht ganz so toll finde, sind diese „Entwicklungscharts“, die man immer wieder findet, wenn es um kindliche Entwicklung geht.

Nach dem Motto: Was soll das Kind in welchem Alter können– meist recht bunt aufgehübscht, am besten zum Aufhängen über dem Wickeltisch, weil sich in den ersten Monaten ja tatsächlich vieles tut.

ABER: selbige tragen leider eher zur Verunsicherung der Mamas bei – unwillkürlich beginnt ein Abhaken der einzelnen angeführten „Leistungen“, gefolgt von Sorge, wenn beim eigenen Kind sich einiges doch nicht zeitgerecht erledigt hat.

„Und das Nachbarskind hat das in diesem Alter schon gekonnt!“ Natürlich wissen wir alle, dass wir Kinder nicht vergleichen sollen - aber mal ehrlich, wer schafft das schon immer?

Wenn du solche Entwicklungstabellen als Orientierung sehen kannst (ohne in Leistungsdruck zu verfallen!), dann können sie durchaus fein und informativ sein. Es ist schon wirklich toll, was vor allem Kleinkinder in den ersten Lebensjahren lernen.

Mir war zum Beispiel nicht bewusst, dass Loslassen gelernt und geübt werden muss und dass das erst viel später kommt als das Greifen lernen. Das erklärt auch, warum Babys deine Haarsträhne nicht loslassen, wenn sie sie einmal erwischt haben. Sie können es schlicht und ergreifend  (Achtung Wortspiel!) noch nicht!

Entwicklung:
Jedes Kind hat sein eigenes Tempo und seinen eigenen Stil

Nicht nur, dass jedes Kind so seine eigene Geschwindigkeit hat, in der es seine Fähigkeiten entwickelt, so hat jedes Kind auch seinen eigenen Stil.

Manch eines probiert einfach drauf los, egal wann und wo. Ein anderes braucht dafür viel Ruhe und eine sichere Umgebung.

Stell dir eine Sprachkurs für Erwachsene an der VHS vor, da gibt es auch die, die in der fremden Sprache drauflosplaudern, ohne sich darum zu kümmern, ob es richtig ist oder wie die Aussprache wohl klingt. Andere sprechen erst, wenn sie sicher sind, die Sprache einigermaßen zu beherrschen.

Was tut sich bei einem Entwicklungsschub?

Entwicklung läuft nicht linear – da passiert mal wochenlang nichts und dann geht alles auf einmal. Wobei manche Entwicklungsschritte für uns deutlich sichtbar sind, zum Beispiel wenn das Baby zu Krabbeln beginnt. Andere wiederum weitgehend unsichtbar, wenn sich das Sprachverständniszentrum weiterentwickelt.

Wenn ein Entwicklungsschub ansteht oder gerade im Passieren ist, dann ist dein Kind vermutlich
  • besonders sensibel
  • unausgeglichen
  • weinerlich
  • gereizt
  • ungeduldig
Je nach Alter mag man hier unterschiedliche Worte finden, ein Baby wird man eher als weinerlich beschreiben, einen Teenager durchaus als unausstehlich.

Fazit:

Ja, es gibt sie diese Entwicklungsphasen bei Kindern – aber Kinder passen nicht immer in die wissenschaftlichen Pläne und Tabellen.

Entwicklung verläuft eben nicht linear, sondern immer in Schüben. Und rund um diese Schübe ist die Gefahr von Gewitterstimmung im Familienleben deutlich erhöht.

Was hilft ist, viel Verständnis für Kind und auch für dich selbst – ihr beide habt es in solchen Zeiten nicht leicht miteinander!

Und das alte Mama-Mantra

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Buchtipps zum Weiterlesen:

Babyjahre* von Remo Largo - ein Klassiker! Beschreibt die Entwicklung in den ersten 4 Jahren und macht klar, wie individuell sich Kinder entwickeln

Kinder gezielt fördern* von Gerald Hüther und Cornelia Nitsch - beschreibt die Entwicklung einzelner Fähigkeiten, aber abseits der typischen "Schaubilder", wann ein Kind was können sollte

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Vera Rosenauer

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