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Interview mit Kunsttherapeutin Melanie Mezera
Wo du Melanie und ihre kreativen Ideen im Internet finden kannst am Ende des Artikels.

Das Interview dauert ca. 25 Minuten - zum Video einfach ein Stück runterscrollen.

Wer lieber liest, für den gibt es ein Transkript mit den wichtigsten Tipps aus dem Interview. Wir hatten eine Menge Spaß bei unserem Gespräch, das ließ sich nicht alles 1:1 transkribieren ....

Vera
: Ich hab heute einen tollen Gast im Interview nämlich Melanie Mezera von Magenta Maltherapie und wir werden uns über Kinder und Kreativität unterhalten. Liebe Melanie, erzähl uns noch ein bisschen mehr von dir

Melanie: Mein Name ist Melanie und ich bin Psychologin und Kunsttherapeutin, ich arbeite in Wien in meinem Atelier Magenta einerseits im Einzelsetting mit Kindern und Jugendlichen. Da geht es vor allem darum, dass sie mit kreativen Methoden ihre Gefühle und Erlebnisse auszudrücken können. Seit Jahren leite ich auch Kreativkurse für Kinder und Buchbindeworkshops für Erwachsene, sowie Fortbildungen für Pädagoginnen.

Vera: Warum ist eigentlich Malen und Zeichnen – oder ganz allgemein Kreativität – wo wichtig für die Entwicklung von Kindern?

Melanie: Kinder sind in ihrem Alltag viel Neuem ausgesetzt und das will verarbeitet werden, wir alle haben den tiefen Wunsch unsere Eindrücke zu verarbeiten. Jeder Eindruck braucht Ausdruck und das kann auf unterschiedliche Art und Weise passieren.

Manche Kinder träumen ganz viel oder erzählen, manche drücken es über Rollenspiel aus, manche eher übers Bauen, manche übers körperliche – Kreativität ist viel mehr als Malen und Zeichnen!

Also kein Stress für Eltern, deren Kinder nicht so gern malen- jedes Kind sucht sich intuitiv den eigenen Zugang.

Malen und Zeichnen ist eine Möglichkeit, sogar vorgeburtliche Erlebnisse auszudrücken. Diese Kritzelbilder sind ursprüngliche Ausdrucksformen (auch Urformen genannt), sogar für das Erleben im Bauch, Nabelschnur etc.

Auch die erste Autonomieentwicklung wird abgebildet – die ersten Kreise, der Kreis schließt sich!

Und für später sind das natürlich sogar erste Schreibübungen, auch wenn die Schule noch fern ist, aber das könnte man auch schon als Frühförderung sehen, wenn man unbedingt möchte ;-))

Vera: Wenn ich jetzt als Mama das Malen fördern möchte, welche Faktoren und welche Umgebung sind hilfreich für den Malprozess?

Melanie: Die Frage begegnet mir oft von Eltern, weil bei mir in den Kursen ist ja alles vorbereitet und das Chaos hinterher wird wieder von mir beseitigt …

Zu Hause ist vor allem wichtig Zeit zu schaffen, damit das Kind das Material erfahren kann. Wie fühlt sich das an und was kann ich damit tun?

Und auch den Raum bzw. Freiraum zur Verfügung zu stellen im Sinne von: den Malbereich gut abdecken z.B. mit Papier, Plastik oder Malervlies. So dass man nicht nervös daneben sitzen und um allfällige dauerhafte Flecken fürchten muss oder ständig wieder alles sauber wischen.

Ganz Kleine können nur in der Windel arbeiten, für ältere Kinder eignet sich gut ein altes T-Shirt oder ein Malkittel.

Wichtig auch, dass für Kinder der Prozess wichtiger ist als das Ergebnis!

Kinder gehen nicht ans Malen, weil sie eine spezielle „Sonnenuntergangsstimmung am Meer“ schaffen wollen oder ein Bild, das zum Sofa passt. Sie geben sich mitunter auch damit zufrieden, mal eine halbe Stunde nur die Farben zu mischen. Das ist absolut ok – der Weg ist das Ziel und die Kinder machen da bereits viele Erfahrungen.

Eltern stellen ihre eigenen Erwartungen an die Bilder am besten etwas zurück – damit meine ich, nicht dauernd dazwischen zu fragen „Ah – was wird denn das?“ Da sind die Eltern auch gefordert, wenn sie dann zum fertigen Bild gefragt werden „Wie gefällt es dir?“

Oft hat man ja so gar keine Ahnung, was das jetzt darstellen könnte – da kann man sich annähern, indem man zum Gespräch einlädt „Magst du mir erzählen, was auf deinem Bild passiert?“ oder beschreibend agiert „Da hast ja ganz viel Grün verwendet!“

Die Frage „Was ist denn das“ (bei Kunsttherapeutinnen eher verpönt! ;-) aber ab und zu rutscht sie halt raus, da macht der Ton die Musik. Bitte keine Verbesserungen im Sinne von „Na geh, ein Baum ist aber nicht blau!“ für ein Kind ist es logisch, dass ein Zwetschkenbaum blau gemalt wird.

Vorsicht vor allen Bewertungen wie „Das malt dein Bruder aber schöner“! Oder auch bei diesen Bildgalerien im Kindergarten, wichtig ist der persönliche Ausdruck. Wenn alle den gleichen Schneemann malen und die sich nur in der Farbe des Schals unterscheiden, ist das eigentlich schade.

Vera: Ok – der Prozess steht im Vordergrund, aber was ich als Mama mit all den Ergebnissen? Wohin mit den Kinderzeichnungen?

Melanie: Das kennen wahrscheinlich viele Eltern, wenn die Kinder ihre Malmappen und Werke aus dem Kindergarten mit nach Hause bekommen. Von der Grundhaltung ist es natürlich super, diese Werke auch zu wertschätzen und aufzuheben.

Ich selbst hab auch noch Kinderzeichnungen von mir zu Hause und es ist auch sehr schön, die nochmal im Erwachsenenalter anzusehen, aber meine Eltern hätten eine zusätzliche Villa gebraucht, hätten sie alles aufbewahrt.

Wobei Zeichnungen noch relativ harmlos sind, schwieriger wird’s bei dreidimensionalen Werken aus Ton, Holz etc.

Ein absolutes NoGo ist, die Werke der Kinder vor ihren Augen gleich mal in den Rundordner zu kübeln – alles einmal anschauen, so viel Wertschätzung muss mindestens sein!

Ich rate den Eltern dann gerne ein Regal oder ähnliches zu schaffen und jedes Mal, wenn der Platz voll ist, schaut man, was kann weg, verschenkt oder sogar versteigert werden (Kinder können sehr kreativ sein, wenn es um die Aufbesserung des Taschengeldes geht!)

Im Zeitalter der digitalen Medien kann man natürlich ganz leicht alles abfotografieren und so ein Album gestalten – eine externe Festplatte ist leichter anzuschaffen als eine Extra-Villa ;-)

Eine weitere Möglichkeit ist Kinderbilder wieder zu verwerten, indem man Teile daraus für Grußkarten verwendet oder laminiert als Tischsets – allerdings immer nur in Absprache mit dem Kind!

Vera: Sind in Kinderzeichnungen wirklich immer Botschaften enthalten? Und – muss ich mir Sorgen machen, wenn mein Kind mit schwarzer Farbe malt?

Melanie (lacht): Ich wollte schon immer mal ein Plädoyer für die Farbe Schwarz machen ;-)

Natürlich sind Kinderzeichnungen wie schon gesagt immer die Verarbeitung von Erlebtem, Gesehenem oder Geträumtem. Aber wichtig ist immer, dass der gesamte Kontext gesehen wird!

·         Wie ist das Bild entstanden?

·         Hat das Kind das selbst gemalt oder war es eine „Auftragsarbeit“?

·         Ist das Bild überhaupt fertig?

Kinderzeichnungen sind einerseits Abbild der Realität, können aber auch Wünsche und Sehnsüchte ausdrücken.

Es ist auch nicht immer so, dass die Blumenwiese mit Schmetterling absolut beruhigend ist, genauso wenig ist Schwarz ein Zeichen für Sorge und Panik.

Einerseits gibt’s einfach dunkle Dinge. Die Nacht ist nun mal schwarz und nicht gelb! Oder Gewitter und Sturm sind eben dunkler und dramatischer als Sonnenschein.

Manchmal wird auch aus ganz pragmatischen Gründen zu Schwarz gegriffen, weil alle anderen Kinder schon die anderen Farben haben und der schwarze der letzte Stift ist, der übrig ist … auf einem weißen Blatt ist natürlich auch Schwarz die Farbe mit dem stärksten Kontrast. Das ist für Kinder sehr spannend. Und in diesem Sinn eigentlich ein gutes gesundes Zeichen: das, was ich mache soll gut sichtbar sein!

Manchmal spüren Kinder aber auch die Sorge der Eltern, wenn sie zum schwarzen Stift greifen und spielen ein bisschen mit dieser leichten Provokation …

Kein Grund also zur Panik, wenn in der Beobachtung des Kindes sonst alles in Ordnung ist! Erst wenn das Kind auch sonst sehr traurig, zurückgezogen und gedrückt ist, dann würde ich noch näher drauf schauen.

Vera: Welche Materialien sind empfehlenswert, was hast du noch für Tipps und Angebote?

Melanie: Mein Arbeitsansatz ist: verwende am besten Materialen aus dem Alltag!

Natürlich gibt es im Kunstbedarf viele tolle Dinge zu kaufen, die man am liebsten alle kaufen würde

Abgesehen von den Farben aber kann man alles Mögliche sammeln wie Papprollen, kleine Schachteln, Zeitungen etc. das kann man in einer Schatzkiste sammeln und sich dann inspirieren lassen – was ja auch gleich der erste Schritt zur Kreativität ist, nicht alles nach Bauanleitung zu machen, sondern etwas Neues zu schaffen!

Je kleiner Kinder sind, sollten Farben vor allem ungiftig, am besten essbar sein – da findet man in meinen Online-Kursen auch Möglichkeiten aus dem Haushalt, die absolut gefahrlos sind!

Bei Stiften, Wasserfarben etc reichen die Grundfarben und Schwarz und Weiß - so schön die 300 Jolly-Farbtöne auch sein mögen.

Was Kinder auch lieben, sind unterschiedliche Materialien oder Werkzeuge für den Farbauftrag also Bürsten, Stoppeln, Fensterwischern, Schwämmen, Stempeln – am besten experimentieren, was man alles verwenden kann-

Auch mit den Farbunterlagen – ich empfehle gerne stärkeres, saugfähiges Papier, das mehr Farbe aushält, vor allem, wenn diese sehr flüssig ist.

Man kann auch auf Pappe, Holz, Stoffen malen, das ist spannend, wie sich die Farbe auf verschiedenen Untergründen verhält.

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